● Das Rittergut „Ovelgönne” in Bücken ist eines der ältesten Rittergüter in der Grafschaft Hoya. Die genauen Ursprünge des Guts liegen im Dunkeln, aber bereits 1328 wurde ein Adelssitz in Bücken beschrieben, welcher dem Ritter Johann von Stendern gegeben wurde: Das “haus tho Bucken by dem Velde”.

● Die erste Besitzerfolge um 1600 zeigt auf, dass Heinrich von Hitzfeld das Rittergut von der Familie Frese erstanden hat. Sein Enkel Otto von Hitzfeld ließ 1658 die Fachwerkbauten errichten, die noch heute erhalten sind.

Ursprünge: 14. bis 17. Jahrhundert

● 1681 wurde das Gut an den Schatzrat und Landsyndikus der Grafschaften Hoya, Johan David Strube, verkauft. Dieser ließ sich in Bücken nieder und verlieh dem Gut neuen Glanz. Schon vor dessen Tod wurde festgelegt, dass das Gut in männlicher Linie weitervererbt werden solle, weswegen es 1715, zusammen mit einer wertvollen Bibliothek, an seinen Sohn Henrich Anton Strube ging.

● In der nächsten Generation ging das Rittergut dann stattdessen an den zweiten Sohn, Henrich Julius Strube. Da sein Bruder nach wie vor rechtlicher Erbherr auf Ovelgönne war, musste Henrich Julius’ Sohn Georg Philipp Strube einige Jahre auf den Besitz verzichten. Erst 1777 übernahm Georg Philipp das Rittergut vollends und nahm einige bauliche Veränderungen vor, wie den noch heute stehenden barocken Dachreiter mit Wetterfahne.

● 1793 wurde Georg Philipp durch Kaiser Franz II. in den Reichsadelsstand aufgenommen. Fortan durfte sich die Familie mit dem Adelsprädikat betiteln, wie es der jüngste Erbe des Ritterguts von 1798, Georg Ludwig von Strube, fortan tat. Das Rittergut war mittlerweile primär zu Wohn- und Altersruhesitz der Familie geworden mit geringerem Fokus auf die Landwirtschaft.

17. - 18. Jahrhundert

● Georg Ludwig starb unerwartet früh, und seine sechs Nachkommen teilten sich das Erbe auf, indem sie das Mobiliar des Guts versilberten. Die restlichen Gutsgebäude und Ländereien übernahmen 1835 die Brüder August und Adolph von Strube.

● Adolph heiratete 1848 die wohlhabende Witwe Emilie Scharnhorst, wodurch er 1853 das Rittergut von seinem Bruder für 2400 Taler Gold erwerben konnte. Da seine Ehe kinderlos blieb, setzte er den ältesten Sohn seiner Frau aus erster Ehe, Adolph Scharnhorst, als Erben ein.

● Trotz Übernahme der Familie Scharnhorst wurde das Rittergut noch lange als „Strubenhof” bezeichnet. Erst nach dem 2. Weltkrieg etablierte sich der Name „Ovelgönne” wieder.

1800 - 1850

● Adolph Scharnhorst schlug eine Militärkarriere ein und folgte somit einer Familientradition, die auch seine Kinder und Enkel fortführten. Daneben engagierte er sich auch im öffentlichen Leben seiner Heimat und war von 1893 bis 1905 Bürgermeister des Fleckens Bücken.

● Schon vor seinem Tod im hohen Alter von 97 Jahren gab Adolph die Verwaltung des Ritterguts an seinen Sohn Adolf Scharnhorst ab, welcher nach dem 1. Weltkrieg in seine Heimat zurückkehrte.

● Adolfs Sohn Gerhard Scharnhorst geriet als Major im Generalstab während des 2. Weltkrieges in englische Gefangenschaft und kehrte erst 1947 nach Bücken zurück. Im Rittergut wurden während des Krieges englische Soldaten einquartiert.

1850 - 1945

● Nach dem Krieg absolvierte Gerhard eine landwirtschaftliche Lehre und spezialisierte sich anschließend auf die Rindviehzucht. Er bewirtete das ca. 50 Hektar große Gut selbst und gestaltete das Rittergut dafür um. In den folgenden dreißig Jahren arbeitete er außerdem in der Politik und zog 1967 in den Niedersächsischen Landtag ein.

● Gerhards Lebenspartnerin Gesche Buschhorn, welche ab 1982 Mitbesitzerin des Ritterguts wurde, engagierte sich für zahlreiche ehrenamtliche, humanitäre Projekte wie die Einrichtung von Waisenhäusern in verarmten Regionen Russlands. Außerdem organisierte sie auf dem Rittergut Treffen zum kulturellen Austausch zwischen Russen und Deutschen. Für ihren Einsatz erhielt sie 1995 das Bundesverdienstkreuz.

1945 - 2000

● 2018 wurde das Rittergut vom Kinderheim Kleine Strolche erworben. Wir wollen den Geist von Geborgenheit, Schutz und Nächstenliebe des Ritterguts erhalten und fortführen.

● Dafür planen wir hier die Einrichtung eines Therapiezentrums für Kinder mit seelischen Erkrankungen. Durch moderne Ausstattungen und hochprofessionelle Therapeuten wird das Rittergut emotionalen Schutz bieten und ein Ort der Heilung für bedürftige Kinder werden.

Gegenwart und Ausblick
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Quelle: Neubert-Preine, Thorsten. Die Rittergüter der Hoya-Diepholz’schen Landschaft. Nienburg, 2006 ISBN-10: 3-00-019898-9