Das Rittergut Ovelgönne –
Therapiezentrum für traumatisierte Kinder  

Lara ist mit zweieinhalb Jahren ins Kinderheim gekommen. Sie war in Deutschland nirgends registriert und wurde seit ihrer Geburt nur in ihrem Kinderbett eingesperrt. Als sie aus der verwahrlosten Wohnung ihrer Eltern befreit wurde, hatte sie den Mund voller Holzsplitter, denn vor Hunger und Langeweile begann sie, die Gitterstäbe zu essen. Sie kannte keine Umarmung, keine Außengeräusche und keine anderen Menschen. Viele der Kinder, die ins Kinderheim Kleine Strolche kommen, haben in ihren eigenen Familien bisher nur Gewalt, Misshandlungen oder Vernachlässigungen erlebt. Es bedarf sofortiger, umfangreicher und leider oft jahrelanger Therapien, um die Kinder in ein normales Leben zurückzuführen.

2018 hatte das Kinderheim Kleine Strolche das Rittergut Ovelgönne in Bücken für genau diese Kinder gekauft. Das Gelände wird jetzt für heilpädagogische und psychotherapeutische Angebote genutzt, u. a. für den Bereich tier- und naturgestützte Therapie mit dem Schwerpunkt therapeutisches und heilpädagogisches Reiten.

Während die Grundversorgung im Kinderheim vom Staat finanziert wird, wird unser Therapiezentrum komplett privat finanziert. Um unser Angebot langfristig anbieten zu können, brauchen wir Botschafter, Unterstützer, Spender und Sponsoren.

Unterstützen Sie das Therapiezentrum für traumatisierte Kinder:

Spendenkonto

Rittergut Kinderheim Kleine Strolche gemeinnützige GmbH
Kreissparkasse Syke
IBAN: DE 15 2915 1700 1012 0655 44 
BIC: BRLADE21SYK

Tiergestützte Therapie

Ein Schwerpunkt unseres Therapiezentrums ist die tiergestützte Therapie. Die tiergestützte Therapie gilt als alternatives medizinisches Heilmittel, das bei seelischen wie auch körperlichen Krankheitsbildern eingesetzt wird. Der Grund für den Einsatz von Tieren ist relativ einfach. Tiere sind unvoreingenommen, sie scheren sich nicht um körperliche oder seelische Makel und nehmen ein Kind so an, wie es eben ist. Außerdem helfen Tiere bei der Kontaktaufnahme zu Kindern. Selbst ein verstummtes Kind kann sich dem Charme von Pferden, Kaninchen und anderen Tieren nur schwer entziehen. Es öffnet sich dem Tier, und das ebnet den Weg zu einer positiven Therapeut-Klient-Beziehung. Darüber hinaus bringen alle Tiere typische Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften mit, die heilsam bei verschiedenen Erkrankungen wirken können. Insgesamt ist festzustellen, dass der Einsatz von Tieren das Verhalten der Kinder positiv beeinflusst.

Therapeutisches Reiten

Man sieht es ihnen vielleicht nicht auf den ersten Blick an – aber Fly, Paddy, Blitz und Merlin sind Therapeuten. Aber warum ist gerade das Pferd ein perfektes Therapietier? Pferde sind als Herdentiere soziale Wesen, die auf ihr Umfeld reagieren. In der therapeutischen Arbeit wird diese soziale Komponente genutzt, um den Umgang mit anderen Lebewesen zu erlernen.

Das Reiten nimmt jedoch nur einen Teil einer Therapiestunde auf dem Rittergut Ovelgönne ein. Vielmehr geht es darum, Nähe zulassen zu können. Es geht um Freundschaft und Verantwortung. Für viele Kinder ist es auch eine große Herausforderung, sich einem so großen Tier zu nähern. Schaffen sie es, ist schon ein großer Schritt in Richtung Selbstbewusstsein und Persönlichkeitsstärkung geschafft.

Im nächsten Schritt geht es darum, sich auf die Bewegungen des Tieres einzulassen. Das Bewegungsmuster der Pferde überträgt sich auf den Reiter, ähnlich dem menschlichen Gang – so wird Muskulatur gestärkt und aufgebaut.  Noch etwas unterscheidet die Reittherapie von der „normalen“ Therapiestunde. Das Pferd stellt keine Fragen und ist unvoreingenommen.

Die Therapiestunden finden in der Natur statt. Damit ist die Situation ohne Zwang und offen. Nicht selten endet deshalb eine Therapiestunde mit einem der größten Vertrauensbeweise: dem Einschlafen auf dem Pferderücken.

Naturgestützte Therapie und Nachhaltigkeit

Viele unserer Kinder haben bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie zu uns kommen, noch kaum bis gar keine Erlebnisse mit der Natur und dem Thema Nachhaltigkeit gemacht. Doch gerade bei schwer traumatisierten Kindern bieten naturnahe Erlebnisse einen besonderen Stellenwert. Das bewusste Erleben der Jahreszeiten und das intensive Erleben von Natur ist beruhigend und gibt Sicherheit. Denn die Natur erwartet nichts, sie gibt nur.  Mit dem Projekt „Kleine Klimaschützer“ fördern wir das Thema Nachhaltigkeit erlebnisorientiert und fördern spielerisch das Bewusstsein für natürliche Zusammenhänge.

Auf dem Stundenplan steht z. B. das Aufforsten unseres Naturgeländes. Mit nackten Füßen erkunden unsere Kinder verschiedene Untergründe auf unserem Barfußpfad. Gemeinsam mit den Kindern wird Obst geerntet oder ein Gemüse- und Kräuterbeet angelegt. Uns ist es wichtig, dass die Kinder von Anfang an lernen, mit Ressourcen verantwortungsbewusst umzugehen und sie ermutigt werden, ihre eigene Lebenswelt mitzugestalten.

Abenteuerspielplatz

Manchmal werden wir gefragt: „Warum benötigt ein Kinderheim einen eigenen Spielplatz? Es gibt doch tolle öffentliche.“ – Viele unserer Kinder kommen aus heiklen Situationen zu uns. Sie müssen oft erst ganz behutsam an einen Alltag gewöhnt werden und Spielen erlernen. Für einige Kinder ist die Zeit im Freien und die Wahrnehmung von Geräuschen in der Natur  eine völlig neue Erfahrung. Deshalb ist es ein sensibler Prozess, sie an das Spielen herauszuführen.

Unsere Pädagogen nutzen in solchen Fällen die Spielplätze zunächst als Einzelmaßnahme. Langsam werden die Kinder mit verschiedenen Spielgeräten vertraut gemacht.  Insbesondere für traumatisierte Kinder ist das Spiel eine Möglichkeit, negative Erfahrungen zu verarbeiten. Spielen fördert nicht nur die geistige, sondern auch die körperliche Entwicklung des Kindes, denn Bewegung begünstigt die Motorik. Unser Abenteuerspielplatz Holz-Ritterburg zielt darauf hin, verschiedene motorische und geistige Anreize zu geben.

Die Holz-Ritterburg wurde unterstützt von: